Die Balladen von Francois Villon (1431- 1463), bedienen sich einer sehr poetischen und doch kraftvoll, bildhaften Sprache. Es sind Geschichten, ja ganze Leben in solch einer Ballade. Vor dem geistigen Auge entstehen Bilder, Figuren wenn man diese liest. Durch eine intensive Auseinandersetzung und Erfassung des Textes gelangt man zu einer groben Form. Weiteres Eintauchen, viel ausprobieren die Suche nach dem Ausdruck der Sprache in Umsetzung eines Materials, als fester, dreidimensionaler Gegenstand, damit sich Sprache und Plastik decken und miteinander korrespondieren können.
Die KLagenden




Auszug aus der Jammerballade
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ihr alle, die ihr mich von weitem schon
betastet habt mit Augen langgestielt:
die Pfaffen, Krämer, Offiziere, auch du, mein Sohn
doch das allein hats nicht gemacht,
dass ich so grau bin wie die Katzen in der Nacht,
und bin doch reingefallen wie ein Vieh,
auf dieses doppelzüngige Repril,
das außer seinem Fisch `nen Quark besaß
und mir vom Brot die Butter fraß
von meiner Schönheit ist nicht eine Spur
mehr da, von meinen Brauen, wie der Sichelmond
so schön gewölbt, und von der Perlenschnur
der Zähne, von den Augen glutbewohnt
dahin, wie ein vom Hagel abgegrastes Feld,
verrunzelt alles, Wangen, Stirn und Kinn,
bis zu den abgegriffnen Brüsten hin,
die hängen auf dem Lumpensack,
auf meinem grauen Bauch herum.
Ach Gott, wie hat das Männerpack
mich stumpf gemacht und wurzelkrumm
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